Sonntag, 26. Oktober 2008

Konzert sucht seinesgleichen

Irgendwann habe ich festgestellt, dass Live – Konzerte Leben retten. Egal wie schlecht man sich auch vorher gefühlt hat – man verlässt das Konzert mit einem wohlig warmen Gefühl, das sich anfühlt als wäre alles gut und als ob es zukünftig keine schwarzen Tage mehr geben würde.

Berlin - Freitag, 24.10.2008. Im Columbia Club wurde kurzfristig ein Gregor Meyle Live- Unplugged Konzert angesetzt. Wer war doch gleich dieser Meyle? Hieß der nicht mal Regener und trug den Titel „Deutschlands Superstar“? So ähnlich und doch ganz anders. Als Herr Raab die Person suchte, die singen darf was sie will und damit auch noch bei RTL auftreten darf, heimste Herr Meyle mit seiner unvergleichlichen Art und seiner handgemachten Musik den zweiten Platz dieser „überregionalen Castingshow“ [Zitat Gregor] ein. Ob da nicht doch der erste Platz drin gewesen werde, darüber lässt sich bekanntlich bis heute streiten.

Banane und weiter im Text.

Der Columbia Club befindet sich in Tempelhof. Und Tempelhof ist da ganz weit draußen. Aber das schreckt uns nicht ab, rechtzeitig zur Öffnung der Abendkasse dort aufzuschlagen.
Es ist 20 Uhr, wir erwarten die tosende Menge, die den neuen Grönemeyer feiern. Die tosende Menge bleibt leider aus. Der „ich-gehe-heute-Abend-spontan-ins-Konzert“ Gedanke scheint der ausgestorbenen Kategorie anzugehören. Die Abendkasse öffnet mit 40 Minuten Verspätung. Meine Nase ist rot. Meine Finger erfroren. Das habe ich mir irgendwie kuscheliger vorgestellt.

Die Atmosphäre im Club ist familiär. Wir einigen uns darauf, dass man am Ende des Konzerts beinahe das Gefühl hat, jeden Besucher persönlich zu kennen: wie er oder sie so singt, so tanzt…. eben das Konzert genießt. Speziell, nenne ich das. Mit einem Bier in der Hand, das definitiv nicht zur inneren Erwärmung beiträgt, wird sich auf die Treppenstufen gefletzt. Und man wartet währendes die Erwartung steigt. Ich beginne zu zweifeln – können 50 Gäste, gehüllt in ihre winterlichen Mäntel, eine umwerfende Konzertstimmung erzeugen? Der Zweifel bleibt und macht mir Bauchschmerzen.

Zu allem Überfluss gibt es auch noch eine Vorband: Luxuslärm [heute heißt das „Support“, habe ich mir sagen lassen]. Den Namen schon mal gehört? Ich jedenfalls nicht. Will ich auch nicht. Ich behalte mir bis auf weiteres eine gewisse Intoleranz gegenüber der Truppe vor.

Berlin, 24.10.2008 – 21.15Uhr.
Junges blondes Mädel und vier Männer hüpfen auf die Bühne. Die machen jetzt also Luxuslärm. Na dann man los, denke ich noch. Und während ich da so denke, wird da oben auf der Bühne schon kräftig gerockt. „1000 Kilometer“ heißt der erste Song. Definitiv gefährliche Ohrwurmqualität [Zugegeben ich summe ihn heute noch]. Die Frontfrau rockt und rockt und rockt und….meine Füße geben dem Beat nach. Phantastischer Deutschrock. Texte, die ans Herz gehen. Ganz unkompliziert. Sozusagen augenblicklich. Ich erwische mich dabei, dass ich bei jedem Lied denke: bitte lass es nicht das letzte gewesen sein. Kleine Frau, große Stimme, das muss man ausdrücklich sagen. Eine Zugabe wünscht sich das Publikum auch noch, bei der Show ein selbstverständliches Muss. Die „1000 Kilometer“ will ich gern noch mal hören. Und weil man da oben auf der Bühne so nett ist, erfüllt man meinen Wunsch doch glatt. Luxuslärm verlässt sie Bühne und ich verspreche mir selbst demnächst eines ihrer eigenen Konzerte zu besuchen.

Ich schwadroniere. Ich merke.

Aber nun zu Herrn Meyle. Der steht schon auf der Bühne, als wir vom Sauerstofftanken wieder eintreten. Ich hoffe insgeheim, dass der überhaupt Lust hat, für uns 50 Männekieken zu spielen. Hat er wohl, denn er greift beherzt zu seiner Gitarre und der Werner Goldbach [jawoll, den Namen habe ich mir gemerkt], der hockt sich an sein Instrument mit den schwarzen und weißen Tasten. Gregor singt und spielt. Und strahlt und spielt. Man ist von der ersten Gesangsminute an gefangen. Im Fernsehen konnte man seine herausragenden Live- Qualitäten ja bereits erahnen. Aber im Hier und Jetzt macht er mich und alle anderen Zuhörer damit sprachlos. Einige stehen und wippen, andere schunkeln oder tanzen ein wenig. Es ist entspannt. Es ist gut.

Zu fast jedem Lied gibt es eine kleine Geschichte, die Gregor zur Einstimmung auf den Song erzählt. Das macht ganz schön ergriffen. Gregor erzählt von Urlaub auf Sizilien, zusammen mit Geschwistern und Freunden. Einer guten Flasche Wein und dem Strand. Was braucht man mehr um glücklich zu sein? Man braucht „niemand der einem zeigt wie leicht man lebt“.
„Jetzt kommt der Tag“ wird in einem wunderschönen Arrangement mit dem Gittaristen und dem Schlagzeuger des Luxuslärms dargeboten. Gibt dem Konzert eine ganz spezielle Note. Gregor kommentiert: „ Das ist Musik. Das, was spontan entsteht.“ Zugegeben: circa nach der Hälfte des Konzerts ist eine ergriffen-glückliche Stimmung im Club spürbar. Gregor fragt uns zwar immer im Spaß, aber ganz vorsichtig nach jedem Lied, ob wir denn noch Lust auf den einen oder anderen Song hätten. Natürlich haben wir. Meinetwegen kann er die ganze Nacht singen. So bekommen wir fast alle Lieder des Albums „So soll es sein“ zu hören.
Gregor erzählt uns, dass er in seinem Leben noch nicht Vater geworden sei, aber einen Song zu vollenden käme dem Gefühl wohl schon sehr nahe. Das glauben wir ihm bei jedem Lied, das er vorträgt…

Ich kann nicht jeden dieser unglaublichen Momente beschreiben, den dieser Gregor Meyle während des Konzerts erzeugt hat. Ich kann nur sagen: Dieser Kerl schreibt und lebt seine Musik. Es scheint ihm wichtig, dass seine Texte berühren, dass sie das Publikum erreichen. Als er am Ende zwei neue Lieder vorstellt, bringt er auch das letzte Gespräch im Club zum verstummen. Man möchte ihm zuhören und mitfühlen.

Ich frage mich, ob man Gregor große Hallen, gefüllt mit einem Millionenpublikum wünschen soll. Gregor in einem kleinen Rahmen, wie ein Columbia Club, ist speziell. Speziell schön. Da seine Texte und seine musikalische Leidenschaft der eines Grönemeyer in nichts nachstehen, bleibt ihm zu wünschen, dass er diese auf jede erdenkliche Art und Weise den Menschen nahe bringen kann.

Ich gehe an diesem Abend mit einem wohlig warmen Gefühl nach Hause. Live-Konzerte retten eben Leben.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Gedanken des Tages

22.10.2008

Schwindelerregendes Ekelgesülze
und sogar der Himmel weint schon
vor Einsamkeit.

Könntet ihr bitte.....



Könntet ihr bitte aufhören
Worte zu formulieren, die
so schwer wiegen,
dass selbst die Erklärung jener
suspekt erscheint?
... die nihilierte Katharsis,
deren Intubation jede Hoffnung
auf Leben verlor.....


21.06.2007 - 22.10.2008

Hereinspaziert

Tick Tock!
Kommt doch herein - tretet ein
ihr einsamen Stunden.
Gute,alte Freunde.
Versuche mir vorzustellen
wie es
ohne euch
wär.
Das Leben ist schön.
Jeder spricht,
aber keiner
hat etwas
zu sagen.
Die Existenzform des
Ichs
schwindet.
Man soll wohl nur noch
als
Wir
existieren.
Als wäre es das Höchste.
Das,was der Welt bewiesen werden muss.
Tick Tock.
Tretet ein.
Legt euch zu mir
und ich erzähle euch
von schwarzen Stunden
und blauen Wolken.
Tick Tock.

19.06.2007 - 23.10.2008

Was wiegt schwerer?

Karlyrismus.
Die Blindheit der Manneswelt
gegen die Vergänglichkeit der
Liebe ihrer Frauen.
Vielleicht
auch
weniger.
Die Suche nach Leidenschaft. Begierde.
Und sie sind blind.
So gewähren wir,so verlieren sie.
Stück für Stück.
Und doch: Lass den Vorwurf sein.
Er wird nichts bringen.

19.07.2007

Montag, 20. Oktober 2008

Absurdes Triptychon - (Erster Wurf)


Teil des Lebens, nennt man das

„Was werden Sie am meisten vermissen?“

Sie kann es nicht sagen….. Sie ist nicht in der Lage, es mit einem Wort zu fassen. „Alles“, denkt sie. „Seine Nase.“ Dieses Detail fällt ihr als erstes ein. Es war eine von diesen leicht stupsigen Nasen, von denen man sich wünscht, dass die gemeinsamen Kinder die Veranlagung dafür erben.
Die guten Gespräche, denkt sie, spricht es jedoch nicht aus. Es ist nicht das, was sie in erster Linie fühlt. Auf ihre typisch hilflose Art und Weise lässt sie verlauten: „Ich werde seine Umarmungen vermissen.“ Sie muss an ihre letzte gemeinsame Nacht denken, die zuweilen eine halbe Ewigkeit zurückzuliegen schien. Für sie war es eine ruhelose gewesen. Sie erinnert sich daran, dass er sie mehrmals fest zu sich heran gezogen hatte und sie jede dieser Umarmungen so sehr genossen hatte. In jemanden hineinkriechen zu können, in ihn, das hatte sie sich an dieser Stelle gewünscht.

Sie versucht sich auf die Frage zu konzentrieren. Ihre Gedanken hängen jedoch an dieser letzten Nacht. Sie mussten früh aufstehen, viel zu früh. Sie erinnert sich an den letzten Kuss. Seine leuchtende Augen und wie er sie mit einer Leichtigkeit auf sich zog.
Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass Tränen in ihre geschlossenen Augen treten: „Ich werde diese vertrauten Momente vermissen.“ Sie fühlt sich danach, die Decke, die ihren Oberkörper und ihre Beine bedecken über das Gesicht zu ziehen und sich zur Seite zu drehen. Sie will nicht darüber nachdenken, was ihr in Zukunft nicht mehr zustehen wird.

„Was tut Ihnen am meisten weh?“

Ihre Antwort ist keine, über die sie länger als eine Sekunde sinnieren müsste. „Es ist so schmerzhaft, dass er mich nicht in seinem Leben haben wollte. Ich wollte ihn so unbedingt in meinem.“


Vorhersehung

„But everything looks perfect from far away…“

Das laute Partygetöse drang noch an ihr Ohr, als sie die knarrenden Treppen hinaufstieg. Sie erinnerte sich an den Abend, als sie lange auf eben jener gesessen hatte und alles so perfekt schien. Natürlich hatte sie mich im Vorfeld dieses abends oftmals gefragt, wie sinnvoll es war an den Ort zurückzukehren. Wie sollte man da Abschied nehmen? Man sollte wahrscheinlich nicht.

Sie öffnete die schwere Glastür, ein Blick in das kleine Badezimmer, in dem sie ihre Zahnbürste nicht mehr vorfand. Das schmerzte einen kleinen Augenblick. Sie entschloss sich weiterzugehen, konnte bereits das große Zimmer erblicken. Es hatte sich nichts verändert. Nur ihre Zaghaftigkeit mit diesen Räumen war neu.

Sie öffnete die Tür rechts, ganz am Ende des Flures. Es fiel kein Licht durch das große Fenster, es war von jeher ein dunkler Raum. Sie musste tief durchatmen, sich selbst zureden jetzt bloß keine Träne zu vergießen oder auf sonstige Art und Weise schwach zu werden. Sie ging im Zimmer herum und verweilte vor den einzelnen Plätzen, die ihr so vertraut geworden waren.

Sie sah ihn vor sich am großen Schreibtisch sitzen und ihr dabei seine Welt erklären. Sie sah ihn seine Wäsche schwungvoll in den Schrank werfen, dessen Tür immer geöffnet war. Sie sah das glückliche Paar auf seinem Bett. Kuschelnd, lachend, streitend. Sie roch ihn.

„Lassen sie den Schmerz zu“, hatte sie gesagt.
Aber es zulassen heißt, es erneut zu durchleben......



Intuition und Wahrheit


Im ersten Moment kam sie sich beinahe lächerlich dabei vor, ihm die Wahrheit an Hand eines Frauenromans zu erklären, der sie einst so beschäftigt hatte. Dennoch gab es nach ihrem Erkenntnisstand niemanden, der gleiches schon einmal derartig treffend formuliert hätte....

Die Geschichte ist schnell zu erzählen. Es handelt sich um eine Frau, die ihr Leben lang eine gewisse Intuition bezüglich einer Wahrheit verspürte. Doch man versicherte ihr wieder und wieder, dass sie sich täuschte. Man zermürbte ihre Intuition. Letzlich war sie es jedoch, die sich im Recht befunden hatte. Immer richtig spürte. Die Frau verlor auf alle Zeit den Glauben in ihre Intuition.

Sie erzählte ihm in knappen Worten eben jene Geschichte, denn die Frau war sie.... Sie fühlte was er fühlte, konnte es förmlich spüren, jedoch nicht beweisen. Er definiert sich seine eigene Wahrheit, die wesentlich von der ihrigen abweichen konnte.

Sie weiß nicht, wie kann sie auch wissen? Doch das Wissen um dieses unbestätige Gefühl zermürbt auch ihre Intuition. Wie kann sie sich selbst trauen?

"Wissen Sie", hört sie die Stimme der Frau, die so oft in der Lage war, ihr die Welt zu erklären, "jeder hat ein Recht darauf selbst zu entscheiden, was er preisgibt. Wenn er entscheidet, dass er Ihnen nicht zeigen möchte was er fühlt, dann können SIE das zehnmal fühlen. Und es wird nichts ändern. Es wird nichts ändern."

Sie hat eben jene Worte im Kopf, als sie ihn versucht mit einem festen Blick anzusehen. "Es geht nicht darum, was ich weiß. Es ist nicht von Bedeutung, was du vielleicht wirklich fühlst. Es wird so lange keinen Schritt in eine mögliche Richtung geben, bis meine Intuition nicht zu deiner gefühlten Wahrheit geworden ist."

Aphorismen von mir (gesammelt im Laufe der Zeit)

Im Grunde sucht man in all den Geschichten die man liest, sich selbst ein bisschen wiederzufinden.

Was wollen Menschen von Geschichten? - Sie wollen die unglaublichen, auch die emotionalen Momente detailreich erzählt bekommen, die in ihrem Leben oft zu schnell vergehen.

Diese Geschichte ist so wahr, dass sie weh tut.

Warum kämpfen wir alle so sehr um das Allein-sein- können, wenn es doch so wenig angenehm ist?


Die Bilder, die man auf ewig im Herzen tragen möchte, werden vor dem geistigen Auge irgendwann so klein wie jedes andere Bild. Aber das ist auch gesund so.


Wie sehr darf man um den Platz in dem Leben einer anderen Person kämpfen?

Ist "einfach weitermachen" ein wirklich verfolgenswerter Ansatz?

Zu viel Busen erschwert das Leben.

Es gibt ein Lied, was ich mir anmaße als unser Lied zu bezeichnen.